Pablo Picasso – die Blaue Periode

Modigliani-Picasso-Salmon in ParisDie “Blaue Periode” des spanischen Malers und Bildhauers Pablo Picasso trägt ihren Namen aufgrund der vorherrschenden Farblichkeit seiner in den Jahren 1901 bis 1904 entstandenen Werke. Als auslösendes Ereignis dieser Schaffensperiode, in der Picasso erstmals einen eigenen Stil ausbildete, gilt der Selbstmord seines langjährigen Freundes Carlos Casagemas, mit dem er zuvor in die Kunstmetropole Paris übergesiedelt war. Picasso setzte seine Trauer künstlerisch um und schuf mit “Evokation – Das Begräbnis Casagemas” das erste einer langen Reihe von Bildern, die von düsterer Melancholie und quälender Einsamkeit geprägt sind.

Dargestellt werden Außenseiterfiguren wie Obdachlose, Bettler (“Mann mit Gitarre”), traurige Frauen (“Melancholie”, 1902), Süchtige (“Die Absinthtrinkerin”), abgemagerte Künstler oder Akrobaten (“Harlekin und seine Gefährten”) und verhärmte Mütter mit ihren Kindern, die in sich gekehrt in nur angedeuteten Umgebungen verharren und deren Leid mit der zum Teil überlangen Zeichnung ihrer Körper (etwa bei “Die Büglerin”, 1904) ins Unerträgliche gedehnt zu sein scheint. Weiterhin sind die dargestellten Figuren mehr Ausdruck allgemeiner Isolation und seelischer Erschöpfung als individuelle Persönlichkeiten. Besonders deutlich wird dies bei einem Vergleich der Bilder “Mann mit Gitarre” und “Die Büglerin”. Die Kraftlosigkeit und von Gram gebeugte Körperhaltung der Figuren wird in beiden Fällen durch nahezu identische Linienführung dargestellt, nimmt aber auch Bezug auf die Malerei El Grecos.

Beeinflusst sind die Schwermütigkeit, Armut und Isolation ausdrückenden Werke der “Blauen Periode” im Wesentlichen durch Picassos eigene Lebensumstände zu dieser Zeit, die von finanzieller Not und dem Gefühl von Einsamkeit in der Fremde geprägt waren. Entsprechend düster ist auch sein Selbstbildnis aus dem Jahre 1901 gehalten. Sensibilisiert für Schmerz und Leid in seiner Umgebung verarbeitete der zwischen Paris und Barcelona pendelnde Künstler aber auch einen Besuch im Frauengefängnis von Saint-Lazare in tristen Bildthemen.

Im Verlauf der vierjährigen Schaffensperiode erlangte das zunächst noch mit Grün und wärmerem Rot vermengte kühle Blau immer mehr Intensität und alleinige Präsenz. Bereits in “Das blaue Zimmer” (1901) hatte es Picasso aber schon programmatisch als durchgängigen Grundton des Elends und des Schmerzes eingeführt.

Casagemas wurde von Picasso posthum mehrere Male portraitiert und stand mit seinen Gesichtszügen auch Modell für das im Mai 1903 entstandene düstere Hauptwerk der “Blauen Periode”. Dieses trägt den Titel “La Vie”(=Das Leben) und zeigt ein spärlich bekleidetes Pärchen, eine Mutter mit Kind und zwei “Bilder im Bild”, auf denen am Boden hockende Aktfiguren dargestellt sind, die an Van Goghs Werk “Sorrow” (=Kummer) erinnern.

Ein weiteres wiederkehrendes Thema der “Blauen Periode” ist Blindheit; so in den Werken “Celestina” (1903), “Das Mahl des Blinden”(1903) und “Das kärgliche Mahl” (1904). Beim letztgenannten Werk handelt es sich um eine Radierung, auf der zwei abgezehrte Personen, eine sehende Frau und ein blinder Mann, abgebildet sind, die neben einem spartanisch gedeckten Tisch stehen.

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