Pfui Spinne: Animalische Blaublüter

Blaues Blut

Blaues Blut, Foto: Fotodichter / pixelio.de

Nein, das ist kein Artikel über das zeitweilig unroyale Verhalten mancher Adliger. Auch nicht über die kurios anmutende Praxis Möchtegern-Prinzen und -Prinzessinnen mittels Adoption in den Adelsstand zu erheben. Wobei sich da schon die Frage aufdrängt, ob der „Familienzuwachs“ sich zunächst einem kompletten Blutaustausch unterziehen muss, bevor er sich rechtmäßig von und zu nennen darf. Schließlich heißt es doch im Volksmund, dass Adlige blaues Blut haben. Nun, diese Prozedur ist nicht vonnöten, da die alte Redensart schlussendlich auf falscher Wahrnehmung und höfischer Eitelkeit basiert.

Peinlich genau wurde im Mittelalter darauf geachtet, die vornehme Blässe zu wahren und sich somit bewusst von der hart arbeitenden Landbevölkerung abzugrenzen. Hüte und Schirme waren stets zur Stelle um sich gegen erbarmungslose Sonnenstrahlen zu schützen. Clevere Heiratspolitik mit nordischen Adelshäusern verhalf auch dem spanischen Adel, dem Schönheitsideal zu entsprechen. Der Wahrnehmungsfehler ergab sich dann auf Seiten der Mauren, die seit 711 ihren Eroberungsfeldzug auf der Iberischen Halbinsel antraten. Aus den durch die Haut der vornehmen Blassen bläulich durchschimmernden Venen schlossen sie kurzerhand, dass der europäische Adel blaues Blut hat.

Chemisch und physikalisch ist das natürlich nicht haltbar. Jedem von uns werden seine blau schimmernden Venen schon aufgefallen sein. Im Umkehrschluss würde das dann ja bedeuten, dass wir alle adlig sind. Interessanter Gedanke… Tatsache ist aber, dass der kurzwellige blaue Farbanteil des Tageslichts durch die Haut dringt und von den Adern reflektiert wird. Der langwellige Rotanteil hingegen wird von der Hautoberfläche und dem Blut absorbiert. Und wer es noch nicht glaubt: spätestens wenn man sich das nächste Mal aus Unachtsamkeit in den Finger schneidet, platzt der Traum von der Krone. Menschliches Blut ist und bleibt rot. Das haben wir dem für den Sauerstofftransport im Blut zuständigen eisenhaltigen Eiweißstoff Hämoglobin zu verdanken. Unser Blut rostet gelinde gesagt, daher die rote Farbe.

Vogelspinne

Spider, Foto: M.M. / Pixelio

Genug von rot, zurück zu blau! Blaublüter – es gibt sie tatsächlich, wenn auch nur im Tierreich. Aber wie heißt es so schön: Adel verpflichtet! Also auf zur Krönungsfeier von Spinnen, Schnecken, Skorpionen, Tintenfischen und Krebsen! Größentechnisch steht der Hummer als Kaiser an erster Stelle unter dem royalen Getier. Trotzdem, da stellt sich doch die Frage: Was haben die, was wir nicht haben? Die Antwort darauf scheint fast ein wenig unspektakulär. Statt dem eiweißhaltigen Hämoglobin übernimmt bei den Weichtieren und Gliederfüßern schlicht das Kupferprotein  Hämocyanin den Sauerstofftransport. Und Kupfer verfärbt sich eben bläulich-grün, wenn es oxidiert.

Schlussendlich steigert diese Erkenntnis  – zumindest für Spinnen – nicht wirklich die Sympathie. Es gibt ja auch gemeine Könige. Und am Ende heißt es doch immer: Der König ist tot, es lebe der König!

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