Sein Blaues Wunder erleben

Sie haben heute ihr blaues Wunder erlebt? Dann haben Sie mit Sicherheit eine unerwartete und unangenehme Erfahrung gemacht. Dies besagt jedenfalls ein altes Sprichwort, welches umgangssprachlich für ein schlimmes Ereignis oder eine unerfreuliche Überraschung steht. Und warum ist dieses „Wunder“ gerade Blau? Bezeugt wird diese Redewendung schon seit dem frühen 16. Jahrhundert. Schon damals stand die Farbe Blau für Täuschung und Lüge. Sagt man doch auch, das Blaue vom Himmel herunterlügen oder jemanden blauen Dunst vormachen. Blau hatte somit eine negative Bedeutung. Und eine Fahrt ins Blaue ist eine Fahrt ins Unbekannte und kann für Überraschungen sorgen.

Woher kommt es nun, dass man sein blaues Wunder erlebt? Auf diese Frage gibt es einige Erklärungen. Blau galt früher als die Farbe der Täuschung und manche vermuten, dass der Ursprung für dieses Sprichwort im Mittelalter zu suchen ist. Feuerschlucker und Gaukler, die regelmäßig in die Städte kamen um ihre Zaubertricks und künstlerischen Fertigkeiten vorzuführen, seien für diese Redewendung verantwortlich. Bläulicher Rauch umhüllte dabei sie und ihre Vorführung um all die Tricks nicht so leicht durchschaubar zu machen. Und so verkündeten die Leute nach diesen Aufführungen: „Da erlebst du dein blaues Wunder!“. Seitdem wird die Farbe Blau mit Täuschung und Überraschendem in Verbindung gebracht. Lag anfangs noch die Faszination an diesem blauen Wunder, so entstand später Angst vor etwas unerwartet Negativem.

Eine weitere Erklärung als Herkunft für das gerne gebrauchte Sprichwort führt uns zum Handwerk der Färber. Der grüne und gelbe Farbton der Stoffe wurde in Verbindung mit Sauerstoff plötzlich blau und das war eine böse Überraschung. Die Färber erlebten ihr blaues Wunder. Vielleicht aber war zum ersten Mal die Rede vom „blauen Wunder“ um 1550 für das in den Schneeberger Gruben in Sachsen gewonnene Kobalt – das Kobaltblau.

Und noch eine etwas andere Erklärung von Christiane Wanzeck. Sie befasst sich mit der Geschichte und Herkunft von Farbwortverbindungen. Nach ihrer Erläuterung sollte man sich nicht nur mit der Farbbedeutung befassen, sondern auch mit dem die Farbe begleitenden Verb. So kam es Ende des 14 Jahrhunderts erstmal zum hören des blauen Wunders, wenn man eine unwahre Geschichte erzählt bekam. Im Laufe der Jahrhunderte wurde aus der unwahren Geschichte eine unglaubliche und man bekam das blaue Wunder zu sehen. Im 20.Jahrhundert soll nach Wanzeck daraus das Verb „erleben“ abgeleitet worden sein.

Welche Erklärung nun auch stimmen mag, erleben Sie nur kein blaues Wunder!

 

Foto: Steven DepoloCC BY 2.0

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